76 – Soziale Netzwerke vs. Privatleben

Ist das denn tatsächlich immer ein Gegensatz? Leute, ich kann euch nur sagen, hätte ich die sozialen Netzwerke nicht, hätte ich lange Zeit gar kein Leben gehabt.

Auch habe ich, und da stehe ich sicher nicht allein, wirklich liebe Menschen über Netzwerke kennengelernt. Ja, zum Teil auch physisch. Diese Menschen möchte ich in meinem Leben nicht mehr missen. Ihre Geschichten und ihr Gemütszustand interessiert mich genauso als wären sie ’normale‘ Freunde, die um die Ecke wohnen, denn von ihnen habe ich in der Not zum Teil selbst den Zuspruch und die Anteilnahme erfahren, wie ich sie gerne zurück gebe. Tatsächlich haben mir immer nur die Menschen weh getan, die ich auf üblichem Weg in mein Leben ließ. Das ist keine Wertung, aber mir sind die Menschen, die ich über soziale Netzwerke kennenlernte sehr ans Herz gewachsen.

Und sie sind real und echt. Genau wie ich selbst.

Dennoch bin ich auch froh, dass sich nach und nach, jetzt wo ich langsam aus meinem Schneckenhaus krieche, Menschen in meiner realen Umgebung finden, die mir etwas bedeuten. Wie viel mir Menschen bedeuten hängt nicht davon ab auf welchem Weg ich sie kennenlernte, sondern ausschließlich von den Menschen selbst.

Ok, ich gebe zu es gibt jene ‚Sucht‘ online zu sein, aber das ist für mich kein Grund die Netzwerke zu verteufeln.

Auch ich habe manchmal Besseres zu tun als auf mein Display zu starren. Dann lege ich das Smartphone gerne für eine Weile beiseite. Insgesamt gesehen lasse ich aber meine Online-Freunde genausowenig im Stich wie andere.

110 – was ich noch zu sagen hätte

Es ist wie immer, Tausende von Worten, Gedanken, Gefühlen brennen in der Seele, aber nicht ein einziger möchte seinen Weg in die Öffentlichkeit finden.

Ich interpretiere das Thema als letzte Worte, als Vermächtnis, das erst gelesen wird, wenn man nicht mehr da ist. Mit was möchte ich mich also aus der Welt verabschieden? Mit einem ‚Es hätte schön sein können‘? Oder vielleicht mit Schuldzuweisungen? Ganz sicher nicht. Alle Menschen, die mir etwas bedeuten, wissen dies bereits, weil ich es ihnen gesagt habe, so ist also auch dies mir kein Bedürfnis.

Ich werde gewiss niemanden kritisieren, mich über nichts und niemanden beschweren, denn jeder, den es interessieren könnte, weiß wie es mir geht und ging. Was also sollte es im Nachhinein bringen?

Sollte ich sagen, dass man mich nicht ganz vergessen soll? Ich gebe zu, der Gedanke ist verlockend, dass man sich erinnern wird, aber würde meine Bitte wirklich helfen? Immer noch hoffe ich eines Tages meinen Roman fertig zu haben, den ich als Vermächtnis hinterlassen werde, in der Hoffnung, dass man, auch wenn man mich nie kannte, vielleicht noch lange später meine Worte liest. Ja, lacht ruhig, aber viele andere Träume habe ich gar nicht mehr.

Vermutlich ist das, was ich noch zu sagen hätte, tatsächlich längst von mir geschrieben oder gesagt. Letzte Worte ändern nichts, wenn sie schon vorher nichts bewirkten.

Ich wollte, ich könnte Menschen mit meinen Worten einen Schmerz nehmen, Mut oder Kraft geben ohne mich dabei weiter selbst zu zerstören. Wüsste ich den Schlüssel dazu, würde ich mir vielleicht noch die Zeit für ein langes Pamphlet nehmen.

Ich habe Angst, dass man mich nach meinem Tode, lange Zeit nicht findet. Deswegen könnte ich mit letzter Kraft die Worte schreiben ‚Schafft mich bitte weg, bevor ich stinke‘.

Vielleicht, ja vielleicht ist ein ‚Viel Glück‘ als frommer Wunsch, das einzig Sinnvolle.

19 – Zwischenmenschliches in einer schnelllebigen Welt

Lieber Blogideekasten, was hast du dir denn dabei gedacht? Ich glaube, dass ich so ziemlich die falscheste Person bin über dieses Thema zu schreiben.

Zwischenmenschliches … was ist das überhaupt? Wenn zwischen Menschen etwas existieren soll muss man wohl erst den Menschen auf der Gegenseite kennen. Genau daran scheitert es doch schon. Vielleicht ist das die schnelllebige Komponente, dass man genau an dem Menschen überhaupt nicht interessiert ist. Man begnügt sich mit der Maske, da sie immer glatter und unkomplizierter ist und ihr die unbekannten, gefährlichen Tiefen fehlen. Zudem will man seine Maske ja auch gar nicht mehr ablegen, da man immer befürchten muss, dass dies eine einseitige Angelegenheit ist und entgegengebrachte Vertraulichkeit auch lediglich Teil einer etwas kunstvolleren Maske ist, unter der sich Unverständnis, Desinteresse und Verletzungsgefahren verbergen.

Tausend Worte zwischen Masken, zwischen angenommenen Rollen, können tiefes Schweigen zwischen Menschen sein.

Ja, was ist Zwischenmenschliches … das, was sich ohne Masken abspielt, das was hinter Masken schaut, selten, verdammt selten.

Meistens ist zwischen Menschen nichts anderes als Distanz.

Doch ich bin kein Experte. Das wisst ihr ja.

Steine werfen

Schicksal, lass uns Steine werfen.
Steine, die auf meiner Seele ruhn.

Lass uns die Ketten sprengen,
die eng um die Brust den Atem schnürn.

Wir müssen wie Flügel unsere Arme breiten,
wo man uns immer klein gemacht.

Wir werden mutig fallen, stürzen,
werden schweben oder sterben,
das Ende sein oder gehalten werden.

Verschwiegene Worte

Reden, schweigen, denken, flüstern … schreiben.

Tage, an denen man nicht reden kann

Dinge, über die man nicht reden möchte

Menschen, mit denen man nicht reden kann

Niemand zum reden haben, wissend dass es wohl besser so ist.

Es bleibt das Schweigen und das Schreiben. Sind es Selbstgespräche, wenn man schreibt? Oder sind es Rufe in eine unsichtbare Welt?

Heute ist ein schlechter Tag. Dies impliziert bereits, dass es bessere gibt. Gottseidank, ja, die gibt es. Und doch, diese Tage der Stille, der geistigen und körperlichen Apathie, an denen nur die Emotionen so hoch steigen, dass sie den Himmel verdunkeln und alles andere verschlingen, diese Tage der unerträglichen Sinnlosigkeit, halten mich immer wieder gefangen.

Hier habe ich Textpassagen gelöscht, denn über manches muss auch das Schreiben schweigen.

Vielleicht auch alles Hirngespinste an einem Tag des Schweigens.

102 – die großen Wahrheiten

Lieber Blogideekasten,

es gibt keine großen Wahrheiten. Höchstens die, dass es keine gibt. Vielleicht ist es für den einen oder anderen gut an solche zu glauben, denn ich kann mir denken, dass der Glaube daran Halt und Richtung geben kann.

Wenn überhaupt, dann lassen sich die Verneinungen in Wahrheiten packen. Zumindest sind sie realsitischer und Vermeiden große Enttäuschungen, wenn sie sich als unzutreffend erweisen.

  • Es gibt nichts, das ewig hält, außer dem Tod. Liebe schon gar nicht.
  • Es gibt keine Pläne, die funktionieren, nur weil man sie geplant hat. Höchstens aus Zufall.
  • Es gibt keine Versprechen, für die es keinen Grund gibt sie zu brechen.
  • Letztlich hilft dir niemand außer dir selbst.
  • Man kann nicht alles erreichen was man will (OMG, was habe ich für gewisse Dinge gekämpft. Völlig erfolglos)

Man sieht schon, das klingt alles nicht so positiv. Deshalb möchte ich auch gar nichts von großen Wahrheiten, von Kalenderweisheiten und dergleichen wissen. Ich habe einmal an andere Dinge geglaubt. Ich habe verdammt gute Gründe es nicht mehr zu tun.

Die Wahrheit, jede Wahrheit, ist dies immer nur in diesem einen Moment, im Kopf einer einzigen Person, aus einem einzigen Blickwinkel. Nichts ist weniger wahr, als die gestrige Wahrheit, verpackt in Versprechen, die gebrochen wurden. Ich scheiße auf Wahrheiten. Ich glaube an nichts.

Niemand braucht Wahrheiten, um zu leben. Ich wünsche mir die Unvoreingenommenheit mein Leben ohne nachdenken über Sinn und Zukunft genießen zu können. Das scheint mir der einzige Weg. Nur gefunden muss er werden. Der Weg.

60 – Wurzeln

Es sind immer wieder interessante Themen, die da aus dem Blogideekasten kommen.

Ich habe schon oft über Wurzeln nachgedacht.

Mein Vater sagte immer „Eine Katze ist kein Hering, nur weil sie im Fischgeschäft geboren ist.“ So witzig, wie sich das anhört, ich denke da ist viel dran. Natürlich prägt der Ort, an dem man aufwächst. Ich selbst bin viel herumgekommen, wenn auch in den Grenzen Deutschlands, aber wenn man mich fragt woher ich komme, nenne ich immer noch meinen Geburtsort. Obwohl mich kaum noch etwas mit dort verbindet, allerdings mit anderen Orten auch nicht.

Wurzeln – ist das die Familie? Natürlich prägt die Familie und man muss nicht Freud gelesen haben, um das zu verstehen. Ich glaube auch, dass mir meine Famile mir viele Tugenden vermittelte. Tugenden, die mich heute oft bremsen. Aber immerhin ging es mir immer gut und meine Eltern haben es immer gut mit mir gemeint. Aber auch sie konnten es nicht verhindern, dass meine Psyche wohl den einen oder anderen falschen Ausgang nahm.

Was sind Wurzeln? Ich habe in meinem Leben oft versucht neue Wurzeln zu schlagen, mit mehr oder weniger Erfolg. Letztlich jedoch bleiben mir nur meine Luftwurzeln, denn ich könnte heute immer noch, beim besten Willen nicht sagen, wo ich hingehöre. Geprägt hat mich aber jeder Lebensabschnitt. Ich wage zu behaupten, genau so stark wie meine Kindheit bei meiner Familie.

Ein Grund mag sein, dass ich mich immer und überall wie ein Exot fühle (zeitweilige Ausnahmen bestätigen die Regel). Und genau dafür kann ich keine Wurzeln verantwortlich machen, es sei denn man sieht sie vielleicht irgendwo in den Genen. Warum bin ich wie ich bin? Ich weiß es nicht.

Wurzeln – für mich haben sie kaum Bedeutung. Ich schwebe von ihnen ungehalten, bis ich wieder einmal falle.